Geschichte Landwirtschaft

Im Jahre 1629 lebten in Rodau 11 Bauernfamilien, die Pferde besaßen und 6, die vermutlich nur mit Kühen ackerten, wie es im Odenwald noch in diesem Jahrhundert üblich war. Während des 30jährigen Krieges schmolz die Bevölkerung sehr zusammen, 1640 waren in Rodau nur noch 5 Häuser bewohnt.

Viele Menschen, die im Schloss Lichtenberg Schutz vor der wilden Soldateska gesucht hatten, waren 1635 der großen Pest zum Opfer gefallen. Im Jahre 1707 gab es in Rodau dann wieder 8 Bauern, 2 Müller und einen Zimmermann namens Ulrich Karr, der aus der Schweiz zugewandert war. Einzelne dieser Familien, die immer nur einen Erben hatten, konnten ihren Besitzstand halten, andere, mit großem Nachwuchs, mussten ihre Felder immer weiter aufteilen, sodass schließlich für den einzelnen kaum genug zum Leben übrig blieb. 1849 hatte Rodau 351 Einwohner, die in 44 Häusern lebten, 17 Familienväter arbeiteten im Tagelohn bei den großen Bauern. Außerhalb der Landwirtschaft gab es damals auf dem Lande kaum Verdienstmöglichkeiten.

Bocksmühle
So herrschte im 19. Jahrhundert in vielen Familien große Armut. Der Odenwälder Spruch: "Kartoffeln in der Früh, des Mittags in der Brüh, des Abends im ganzen Kleid, Kartoffeln in alle Ewigkeit" legt davon Zeugnis ab. Manche Familie suchte damals ein besseres Leben im fernen Amerika. Erst gegen Ende des Jahrhunderts änderten sich die Verhältnisse, nicht zuletzt durch den Bau der Ludwigsbahn Darmstadt-Erbach 1870 und des "Odenwälder Lieschens" 1887. Nun gab es die ersten "Pendler", die nach Darmstadt zur Arbeit fahren konnten. Auch für die Landwirte öffnete sich damit eine neue Einkommensquelle: sie konnten Milch in größeren Mengen nach Darmstadt verkaufen. Dazu musste sie allerdings schon morgens um 4 Uhr am Bahnhof in Groß-Bieberau oder Reinheim angeliefert werden.

Die Veränderungen des 20. Jahrhunderts machten naturgemäß nicht halt vor Rodau, aber selbst heute gibt es noch 5 Milchbauern in Rodau (Daab, Scheich, Schwöbel, Späth und Vierheller). Auch der Ortskern von Rodau wird noch geprägt durch große Hofreiten mit giebelständigen Wohnhäusern und hohen mit Satteldächern versehenen Toren. Einige von ihnen stehen unter Denkmalschutz.


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