Geschichte Die drei Rodauer Mühlen

In Rodau gab es lange Zeit 3 Mühlen nebeneinander. Sie hatten nur die wenigen Bauern von Rodau und Wembach als "gebannte Mahlgäste", d.h. als Pflichtkunden. Infolgedessen herrschte zwischen den Müllern ein harter Konkurrenzkampf. Hinzu kamen ungünstige Wasserverhältnisse, manchmal Wassermangel, dann wieder verheerende Fluten, Schlamm und Unrat in den Mühlgräben. Manch eine Müllerfamilie geriet trotz aller Mühe in Schulden und musste aufgeben.

Schon 1629 gab es in Rodau 2 Mühlen, die den Herren von Schrautenbach gehörten. Sie zerfielen gegen Ende des 30jährigen Krieges. Um 1700 beginnt Georg Heppenheimer, ein Neffe des Rodauer Hofbeständers, mit dem Neuaufbau der unteren Mühle, aber schon 1706 musste er wieder aufgeben. Der Käufer Mathes Schwerer und später sein Schwiegersohn Philipp Schellhaas bauen die Mühle weiter aus. 1731 stellt Philipp den Antrag, "einen Büchsenschuss" von seiner Mahlmühle entfernt eine Pulvermühle errichten zu dürfen. Der Amtmann von Lichtenberg bestätigt zwar, dass der Müller "ein geschickter Mann" sei, aber der Antrag wird am Ende doch abgelehnt. Nachdem die Untermühle über 100 Jahre im Besitz der Familie Schellhaas ist, wird 1825 Philipp Bock, Müllersohn von der Dornenmühle in Fränkisch-Crumbach, Besitzer. 1888 wird das Holzgetriebe durch eine gusseiserne Konstruktion ersetzt. 1944 wird Georg Bock, der die Mühle weiterführen sollte, mit 20 Jahren als Soldat in Rumänien vermisst, 1948 heiratet Friedrich Daab aus "Schwörers" in Groß-Bieberau in die Familie. Er war der letzte Bürgermeister der Gemeinde Rodau und auch der letzte Müller auf der Bocksmühle. Seit 1967 stehen die Mühlräder still. Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte bauen die Mühlräder aus. Teile davon laufen jetzt in der Hammermühle in Ober-Ramstadt weiter.

Die Obermühle, nach den Besitzern auch Emichs-, Sattler-, Klenks- oder Schuchmannsmühle genannt, wurde 1629 von Hans Ganßmann betrieben. Er und seine 2 Kinder starben 1632 innerhalb einer Woche an der Pest. Der erste Müller nach dem 30jährigen Krieg war Johann Daniel Stork, ein Müller aus Groß-Bieberau, der sich dort eine eigene Existenz aufbauen wollte. Er bekam die Genehmigung dazu erst, als er 9 Malter (in Hessen ca. 11,7 Hektoliter) Getreide als Pacht anbot. Das war zu viel, wie sich bald herausstellen sollte. Schon vor 1700 kam die Mühle in Besitz von Marcus Bernhard, einem Mühlenarzt aus den Amt Ziegenhain, der die Tochter von Hans Springuff in Rodau geheiratet hatte, er starb aber bereits 1704. Ihm folgte eine Reihe von Müllern, die alle wieder schnell aufgeben mussten. Einer von ihnen verließ voller Verzweiflung seine Frau und 7 Kinder und ging nach Ungarn. 1833 war Heinrich Schuchmann aus Oberhausen, der die Tochter des Schultheißen Bertsch geheiratet hatte, im Besitz der Mühle, 1838 sein Sohn Georg. Nun endlich war die Mühle in den richtigen Händen. 1939 heiratete Wilhelm Scheich eine der beiden Schuchmannstöchter. Erst 1947 aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt, baute Scheich die Gebäude zu einer Lohn- und Handelsmühle aus und belieferte Bäcker und Bauern im Umkreis, Im Zuge der Flurbereinigung 1962 fiel der Mühlgraben einem Neubaugebiet zum Opfer. Die Mühle wurde elektrifiziert, aber der Betrieb lohnte sich bald nicht mehr. Teile des Gusseisernen Mahlwerks wurden zum Bau des Mühlendenkmals in Nieder-Ramstadt verwendet.

Wo heute die Fa. Hottes arbeitet, stand um 1800 eine Mahlmühle mit 2 Gängen und eine Schneidmühle, die Leonhard Kraft gehörten. Sein Vorfahr, Johan Ludwig Kraft, hatte sie 1721 von Georg Weher gekauft, der nach Ungarn auswandern wollte. Während des 19. Jahrhunderts wechselten die Besitzer schnell. 1866 hieß der Besitzer Georg Schulz, nach ihm wurde die Mühle auch genannt, 1879 brannte sie ab und 1888 wurde sie an die Sparkasse abgetreten. Seit 1894 ist sie im Besitz der Familie Hottes.